Dezember 2008


Zum Tag selbst ist noch zu sagen, dass wir uns noch bei Kaffee und Kuchen und später in einem netten Fischlokal noch ein bisschen verwöhnen liessen. Die Zwischenzeit (also die Zeit zwischen den Mahlzeiten) verbrachten wir mit einem langen Spaziergang bei schönstem Wetter in bitterer Kälte.

In den Tag danach entliess uns mein Vater, der noch so gegen 22:20 Uhr anrief, um nochmal alles `Gute und Danke für das Fest´zu sagen.

Zu dem Zeitpunkt lagen wir schon im Bett, aber als das Telefon klingelte, hatte ich schon reichlich Adrenalin im Blut: An der Anzeige sah ich, dass es meine Eltern waren. Ich selbst gehöre zu der Generation, die Telefonanrufe nach 22:00 Uhr nur in Notfällen tätigt und daher immer alarmiert ist, wenn sie selbst einen so spät bekommt.  War dann aber ja nichts schlimmes. Im Gegenteil. Wir hatten allerdings schon geschlafen (nur das Baby nicht, das hat geturnt!).

Der Tag danach- also heute- begann damit, dass Sie mich, während sich noch unter der Decke kuschelte, kritisch musterte.

„Von vorne geht´s bei Dir so gerade, da siehst Du schon ziemlich gebraucht aus. Umdrehen! Naja, schon besser. Aber ich dachte, man bekommt bei so einer Hochzeit was neues, und nicht sowas abgewetztes!“ „Du weisst ja, wo Du Dich bedanken kannst, jedenfalls bin ich gekauft wie besehen!“

„Gebrauchte haben ja auch Vorteile- die Kinderkrankheiten sind durch- und die Reparaturanfälligkeit sinkt, und Du kennst schon alle Macken!“ „Ja, und Du musst nicht mehr so vorsichtig sein, wenn da mal ´ne Beule reinkommmt, merkt man´s kaum und reparieren muss man auch nicht unbedingt.“

Unsere Küche heisst nun `Frauengefängnis´, worauf ich einwarf, dass diese kleine Reling in Bodennähe zum Einhängen der Fußkette noch fehlen würde.

„Und Sex macht nun garkeinen Spass mehr, jetzt dürfen wir ja! Gut, dass wir das mit dem Kind schon vorher erledigt haben, oder?“

Eben fragte Sie noch, ob ich meine kleine Rede vorher geübt habe. Hatte ich nicht, nur ein paar Gedanken habe ich mir im Vorfeld aber doch gemacht.

Eigentlich wollte ich frei nach K. Beikircher sagen: „Also, Westfalen und Rheinländer unter einem Dach! Es ist nicht schön, aber Ihr seht, es geht!“ (Nix für ungut!!)

Die anderen Dinge fand ich aber wichtiger.

Nun ist es geschehen: Wir sind verheiratet. Zumindestens standesamtlich.

Eine Freundin wünschte uns im Vorfeld „aufregende 20 Minuten im Rathaus“, und ich gebe zu, dem ist nichts hinzuzufügen. Die Standesbeamtin gab sich große Mühe, den Text souverän in der Zeremon I E ´rüberzubringen, aber dennoch klang es sehr auswendig gelernt. Aber das ist schon okay, schließlich hat die Dame wohl schon hunderte Ehen geschlossen. (Da kann man bestimmt tolle Sozialstudeien anstellen!)

Meine Eltern wirkten sehr ruhig, dafür waren meine Bro´s um so aufgedrehter, was sich speziell in der Anfertigung diverser SPAST-Fotos niederschlug (SPAST- ein Markenzeichen der Liebethal GmbH & Cie.).

Und irgendeiner hatte auf den Bildern sowieso die Augen zu. Ich allerdings kam auch nicht besonders gut weg: Vor der Rathaustanne mit den Eltern drapiert versuchte Sie mir mit der Hand von unten in meinem Jakett, während ich selig grinste, sie die Augen verdrehte und die Zunge rausstreckte, die Krawatte gerade zu ziehen. Hmmmmm. Vielleicht ein bisschen missverständlich.

Die Schwiegereltern wirkten ausgesprochen gerührt, scheuten sich aber dennoch nicht, nach den Kamelen als Mitgift zu fragen, die ich eigentlich erwartet hätte. Nach 11,5 Jahren baggern hätten die doch wohl mir zugestanden?! Sozusagen als Belohnung für Hartnäckigkeit!

Ach ja- die Ringe brauchten etwas Kraft. Wir bekamen sie nicht auf den Finger, jedenfalls nicht ohne Hilfe. Tragen tun sie sich aber schön. Nix wie in Lord of the Rings! Bequem!!

Wir fuhren dann alle Mann mit der Straßenbahn zum Frühstückslokal, was speziell meine Eltern sehr cool mitmachten. Hatte da im Vorfeld jemand gequatscht? Egal, tolles Frühstück mit Prosecco und Ei wärmte uns nach der Kälte auf dem kurzen Fußweg wieder auf.

Nun kann keiner mehr weg, wir haben also nun je ein gegenseitiges `Ehegesponst´(L.G. Buchheim), das nun besonders verpflichten soll. Aber tut es das nicht auch so? Verantwortung haben wir doch auch so übernommen.

Viele haben an uns gedacht, uns geschrieben, gesmst, sind extra von weit hergekommen oder waren einfach nur um uns herum. Die Großeltern waren auch irgendwie dabei. Hoffe ich.

Das Baby hat übrigens immer Hunger, wenn gerade nix zu bekommen ist. Deshalb habe ich immer etwas Schokolade für Sie in der Tasche. Ausserdem mag es Prosecco!

Heute ist unserer letzter Tag als Ledige.

Wir haben viel zu erledigen (Haha.).

Was für Steuerklassen sollen wir auswählen, wer gibt uns einen Termin beim Amt, hat uns das Lokal nicht vergessen? Muss das Hemd nochmal gebügelt werden und ist der Dress noch schwangerschaftskonform?

Und: Kriegen wir das mit den Ringen hin?

Also spielen wir alles nochmal durch: Ringe her, Frau her. „Willst Du, D. Dich unter die Knechtschaft der Ehe begeben und Deinem Manne immer als treue Untertanin dienen und jeden Unsinn machen, den er von Dir verlangt?“ „Nein.“ „Nee, so wird das nichts. Hand her.“ Ich schaffte es recht leicht, Ihren Ring überzustreifen. Sie versagte komplett. Warum? Ich hatte Ihr die falsche Hand gegeben. Mist. Okay, die Ringe müssen noch geweitet werden, aber nicht so weit! Generalprobe geplatzt.

Meinen Anzug holte ich eben noch aus dem Geschäft ab- er musste ein wenig geändert werden („Mein Gott, hast Du kurze Beine!!“).

Ich suchte also das Geschäft auf, die Kassiererin nahm meinem Bon und verschwand. Lange.

Mir schwante Übel, und ich überlegte, wie ich die heraufziehende Situation entschärfen könnte- vermutlich war die Schneiderin krank, und deren Vertretung und wiederum deren Vertretung, die mir die Änderung hoch und heilig zugesichert hatten. Hoffentlich hatten sie wenigstens noch nicht angefangen: Zu lange Beine sind ja nicht so schlimm!

Die Verkäuferin kam wieder: Der Anzug sei noch nicht da. Ach sooo! Er komme gleich…. Wann ist gleich?

Jedenfalls war der Anzug schon auf dem Weg, und ich musste keine lästigen Diskussionen führen. Ich war deshalb auch froh, weil der Verkäuferinnen offensichtlich vom Käuferansturm bedrängt und nicht besonders nett behandelt wurden, auch wenn sie sich alle Mühe gaben, schneller zu arbeiten.

Meine Krawatte habe ich auch schon gebunden (Nicht lachen!!) und nun kann das fest kommen. Was meine Eltern wohl zu der avisierten Hochzeitskutsche sagen werden?

Ach ja: Ich bin nicht nervös!!!

In diesem Jahr die passenden Geschenke für alle zu finden, war nicht leicht. Normalerweise fallen mir immer tausend Sachen ein, aber in diesem Jahr war einfach tote Hose. Besonders meine Eltern konnten sich trotz Verrentung noch nicht an ein Hobby gewöhnen, das man sinnvoll mit Geschenken befeuern kann. Naja, und das Enkelkind bekommen sie nun, ob sie wollen oder nicht.

Bei meinen Einkäufen am Montag ging ich etwas planlos in die diversen Geschäfte und hoffte auf eine Eingebung. Eine davon war ein Teil einer DVD-Reihe aus dem DuMont-Verlag: Köln von 1945-55: Die Jahre des Aufbruchs

Dort verbraten die Autoren verschiedene Amateurfilme zu einem durchaus eindrucksvollen und interessanten Film. Dabei werden nicht so sehr Entwicklungen erklärt, als vielmehr ein ziemlich buntes Potrait der Stadt gezeichnet. Die Tatsache, dass die Worringer Rheinschwimmer sich auch schonmal an Flieger (Beiboote der Schleppverbände auf dem Rhein) hängten und so Wettbewerbe verzerrten führte zu peinlichem Grinsen bei meinen Eltern. Denn einen ähnliche Story (mit unangenehmerem Ausgang) kannten wir aus den Annalen des Ruderlebens meiner Mutter: Um dem lästigen Rudern bei Bergfahrt zu entgehen schnappte sie sich zusammen mit einer Freundin durch forciertes pullen eben solch einen Flieger. Wer nun im Beiboot sass, weiss ich nicht mehr, jedenfalls kam es zu einem an sich ungefährlichen Zwischenfall, der Ruder- und Beiboot trennte. Dummerweise konnte die Ruderin das Tempo des Schleppverbandes flußaufwärts nicht halten, weshalb die Beibootbesatzung aus den Kleidern stieg, diese über den Kopf hielt und in den Strom stieg, um später das Ruderboot zu entern. Hört sich unspektakulär an- war aber im Dezember (Jaa, Kinder, damals waren das noch andere Winter!!).

Das Ganze blieb wohl bis auf eine kleinere Erkältung folgenlos, dürfte insgesamt aber nicht so lecker gewesen sein, denn auch ich kann mich noch an die schillernden Farben des Rheinwassers in früheren Jahren erinnern, gesprenkelt mit netten kleinen, braunen Bröckchen.

Jedenfalls, so wurde uns versichert, sei eine solche Nutzung eines Fliegers die absolute Ausnahme gewesen. Selbstverständlich.

Jedenfalls kamen unsere Eltern nach diesem Filmdokument in Erklärungsnot. „So ein Flieger sei ja garnicht so leicht zu schnappen gewesen, und ausserdem sei das ja verboten!“ Um das ganze wissenschaftlich aufzulösen:

1. Ein Schleppverband schaffte etwa 12 km/h- das entspricht bei einer durchschnittlichen Flussgeschwindigkeit des Rheines von 6 km/h einer Geschwindigkeit von 6 km/h über Grund (Gerade wieder `Das Boot´gelesen) bei Bergfahrt. Dabei ist die Geschwindigkeit des Wassers eher zu langsam angesetzt. Aber diese 6 km/h sind mit einer schwachen Mannschaft zumindestens für 5-10 Minuten locker zu halten (Mutter war so eine 50 kg-Kante!). Problematisch war wohl eher, aus der Sicht der Vereinsverantwortlichen zu verschwinden!

2. Was verboten ist wird selbstverständlich auch nieeeeee, aber auch niemals nie gemacht, ODER???

So, Internet läuft wieder. Keine Ahnung, warum es gestern nur vom stationären Rechner klappte -wenn auch mit Zeitverzögerung beim Tippen-, jedenfalls klappt es nun wieder.

Interessanterweise habe ich bei meinen Eltern weilend das Internet garnicht vermisst. Nur zurück in Köln fühle ich mich ohne die Möglichkeit, es zu nutzen, doch irgendwie behindert. (Ist das ein Zeichen von Internetsucht?)

Jedenfalls wollte ich noch ein wenig von Weihnachten berichten: Christmette- wieder einmal spielte Herr P. seinen Orgelbrei, und damit man alles auch erkennen konnte, wurde die Begleitung mit einer Trompetenstimme überlagert. Dass sich die beiden Tempi unterschieden, ist quasi Ehrensache, dass die Stimmung nicht so recht herüberkommen wollte, war eine Folge der unglücklichen Liedauswahl. `Stille Nacht´ist einfach mit Blech nicht schön.

Interessanterweise kitzelte die Orgel die ganze Zeit in meinen Ohren: Sie war verstimmt! Und das ist merkwürdig, da sich in der Kirche lediglich eine elektronische Orgel befindet (Schweineorgel), die wie ein Keyboard funktioniert und sich eigentlich garnicht verstimmen lassen dürfte.

Ein weiteres Highlight setzte der Hauptzelebrant, der das Weihrauchfass bei der Inzenz nicht einfach pendeln liess, nein, er liess es Kreise schlagen (griechisch-orthodox). Gleichen Trick wendete einst mein Vater an, als er uns mit einer vollen Milchkanne (5 Liter) die Wunder der Zentrifugalkraft (Ja, Schatz-Zentripetalkraft!)  verdeutlichte.

Am ersten Weihnachtstag war Sie dann auch da. Wir bekamen viele schöne Sachen: Pralinen, Gutscheine für eine Therme, einen tollen Bräter, Geld, Bücher.

Nachdem schon die Zuckerzange bei Ihr im letzten Jahr so gut angekommen war, konnte meine Mutter es sich nicht verkneifen, noch einen Sahnelöffel draufzulegen. Toll mitgedacht!

Sie war eher schlecht drauf und verabschiedete sich am frühen Abend: „Bis Dienstag dann!“ Meine Eltern blieben stumm, und man konnte sehen, welche hektische Aktivität hinter ihren Stirnen ausbrach: Verdammt, was ist denn am Dienstag?? Meine Brüder fingen nach ein paar Sekunden an zu Lachen. „Achso Haha, jaja! Sicher! Haha! Dann bis Dienstag!“ Ob sie tatsächlich wussten, was los war? Oder lachte sie einfach zur Ablenkung?

Wir haben schon eine tolle Suppe im Bräter gemacht, Blumen für´s Revers bestellt und räumen fleissig die Wohnung auf.

Ich habe von meinem Vater ja die tollen Stethoskope bekommen und auch schon mal nachgehört: Ich glaube, das Kind tritt gegen die Wände!

Weihnachten dauert zwar bis Maria Himmelfahrt, aber der offizielle Teil ist leider schon vorbei. Weihnachten war lustig, aber auch traurig. Besinnlich, aber auch ein bisschen wild.

Und erkenntnisreich: Das Kind steht irgendwie auf Schokolade! Aber ohne Füllung!

Wie immer machten wir Musik beim Ball der einsamen Herzen- Vulgo: Weihnachtsfeier der Alleinstehenden der Caritas. Da Omma im Krankenhaus war, und F. und U. wenig geschlafen hatten, wurde das musikalische Chaos deutlich verstärkt. Nicht, dass das jemandem auffiel, aber ich glaube, wir alle waren ziemlich abgelenkt.

Höhepunkt war der Auftritt einer Dame so um die 60, die, offensichtlich `powered by alcohol`, sich zunächst vorstellte und dann die Abwandlung eines Gedichtes zum Besten gab: „Rosen, Tulpen, Nelken, tuen alle welken. Marmor, Stahl un’Eisen bricht, aba un ‘re Freundschaft nicht.“ (Eigentlich muss amn das ohne Kommata lesen, um den Klang zu replizieren!)

C’s Kommentar war: „Ich fühlte mich wie in der Berliner U-Bahn: „Hallo ick bin die Hannelore ich lebe seit XX Monaten auffe Straße ick vakoofe die Querkopf/Strassenfeger/Motz füa mein Hund den Fido…..“

Ja, und als wir dann nach Hause kamen, konnte Omma das schon von oben sehen. Wir alle fuhren ins Krankenhaus und alles war ziemlich traurig. „Vielleicht wollte sie kein Gedönse mehr machen, damit wir zeitig essen konnten.“ Ein Erklärungsversuch. „Hoffentlich macht sie sich mit Oppa nen schönen Abend da oben!“

Witze mit und über gerade Verstorbene, das war neu für mich. Aber eine gute Medizin. Um auch alles sehen zu können, schob sie auch noch die Wolken weg und es wurde eine wunderschöne, eiskalte Winternacht.

Ich habe noch einmal in der Christmette in K. Messdiener gespielt. Weihrauch. (D.: „Du riechst schon wieder so heilig!“) Vielleicht das letzte Mal.

Und ich habe die ganze Zeit an Omma denken müssen. Vor Jahren beschlossen die Nś., dass ich sie nun Duzen müsse. Alle gaben mir artig die Hand und stellten sich mit ihrem Vornamen vor. Als ich bei Omma ankam, bekam ich auch ihre Hand und sie sagte: „Und ich bin die Omma, Hähähä!“

Nun folgt eine Hochzeit und eine Beerdigung. Beides muss sie nun von oben ansehen. Jedenfalls wird sie dabei nicht frieren.

Heute ist Heiligabend.

Bei meinen Eltern wird immer erst am 1. Weihnachtstag gefeiert, und so steht der heutige Tag unter dem Zeichen der Vorbereitung auf Weihnachten. Wir werden später nach Knechtsteden in die Mette gehen, und danach werde ich mit meinen Brüdern noch einen heben- denke ich- und dann sicher spät ins Bett kommen.

Im nächsten Jahr habe ich selber eine Familie. Kind, Frau und einen Haufen Grosseltern: Das ist wohl der Punkt, an dem man merkt, dass die Jugend vorbei ist.

Aber ich freue mich darauf. Letztendlich ist es doch unser Schicksal, älter zu werden, oder? Und es bleibt uns am Ende nichts weiter übrig, als dem lieben Gott und dem Leben seinen Lauf zu lassen.

Aber das wird sicher schön werden, wenn so ein kleines, lebendiges Wesen die Verwandschaft aufmischt, durchs Wohnzimmer robbt und herumplärrt. Vielleicht ist ja dann auch noch die Urgroßomma dabei. Wenn nicht, wird sie sich oben sicher eine anstecken, runtersehen und sowas sagen wie: „Ker, datt is ja nen Wiabelwind!“ Und dabei lachen und viel Qualm verbreiten. Hoffentlich.

Frohe Weihnachten euch allen.

Eban kamen wir von Ikea zurück. Wir haben Kisten und Kästen gekauft, um die Dinge, die man im Laufe des noch kurzen Lebens so anhäuft, für uns und die Nachwelt zu bewahren: Liebesbriefe, Postkarten, Tagebücher „….heute von D. geträumt…“, Cassetten und jede Menge Staub. Zeitschriftenjahrgänge, Comics und jede Menge Prüll.

Jedenfalls hatten nicht nur wir die Idee, frühmorgends Ikea heimzusuchen, dennoch gelang es uns, mit unserer Beute den Parkplatz zu verlassen, bevor der Ansturm richtig losbrach.

Auf dem Heimweg wollte ich noch das seit Monaten in meiner Tasche befindliche Geburtstags- und Geburtsgeschenk an meine Kollegin einwerfen. Da die Briefkästen im Treppenhaus waren, klingelte ich und es öffnete mir ihr Mann, recht leicht bekleidet. Im Hintergrund schrie ein/das Kind. „Lass uns gleich mal telefonieren!“, sagte er.

Und so taten wir, zurück in unserer Wohnung.

„Jaaa, das ist ja toll, dass Du auch Vater wirst! Ich kanns nur empfehlen! Zum Glück gibt es ja die Hormone, die alles schnell verblassen lassen….“

Die Kurzform: 4 Wochen vor Termin mit Blutungen im Krankenhaus (vier Wochen lang, davon eine Woche am CTG), Kaiserschnitt (Mann steckte in der Bahn fest-OÄ kommt!), später Nabelbruch (2 Tage KH), dann Infektion desselben (8 Tage KH), Novovirus parallel dazu (erst Kind, dann sie) mit Lungenentzündung (Kind).

Sie: „Erst wollte ich nie wieder ein Kind- nun hätte ich gerne noch eins!“

Ohne Worte, oder? Jedenfalls bin ich mal sehr gespannt auf ihren Sohn.

Eben hörte ich im Radio einen tollen Satz:

„Enkelkinder sind der Nachtisch des Lebens.“ (Schwiegermutter in Spe drückt das so aus: Enkelkinder sind super: Wenn sie schreien oder stinken kann man sie einfach abgeben.)

Also, Elties aufgepasst! Nachtisch ist unterwegs!!

Ich habe am Mittwoch meinen neuen Sekretär aufgestellt. Um Platz zu haben, musste ich meinen alten Schreibtisch und ein Regal abbauen. Beides räumte ich vorher gründlich leer, baute alles ab uns stellte dann den Sekretär auf. Und bevor ich ihn wieder neu einräumte, sortierte ich gründlich aus.

Das machte viel Spass, denn ich stiess auf eine Menge Zeitkapseln- Dinge, die ich seit Jahren nicht mehr in der Hand hatte: Alte Passfotos, eine Haufen CD-Rom, alte Computerspiele und ordnerweise Aufzeichnungen aus Schulzeiten.

Ich fand vier (!) kaputte Armbanduhren (Später noch eine fünfte!!). Warum wirft man die eigentlich nicht weg? Ich konzentrierte sie in einem Kästchen und legte sie in den Schrank.

Alte Glückwunschkarten- ab in einen Karton. Und zwei Tüten Malzbonbons, die Sie mir jeweils vor Jahren vom Weihnachtsmarkt mitgebracht hatte. Ich liebe Malzbonbons, aber mehr als 5 Stück habe ich noch nie gegessen. Und diese waren leider mittlerweile ungeniessbar.

Aber die CDs bargen Schätze. Ich habe eine ganz normale Spiegelreflexkamera, und zu Studentenzeiten stromerte ich durch die Stadt, um Kriegsruinen zu fotografieren. Damals konnte man seine Fotos noch optional digitalisiert als CD bestellen.

Als ich als Kind zum ersten Mal in Köln war, war ich erschrocken, wieviele Ruinengrundstücke es noch gab. Meine Eltern erklärten das mit dem Krieg, was ich als Kind nur teiweise verstand.

Mittlerweile gibt es kaum noch welche und die letzten Narben werden kaschiert (Backsteinplombe am Südturm des Domes). Schon vor etwa 7 Jahren fand sich kaum noch eine Stelle. Aber nicht desto trotz wünschte ich mir ein paar mehr Erinnermichs an die alte Schönheit dieser Stadt, die Generationen in Jahrtausenden aufbauten und die in ein paar Jahren vernichtet wurde.

Nordturm, Kölner Dom, ca. 2001

Portal Südturm, Köln, ca. 2001

Wohnhaus, Weidengasse, Köln, ca. 2001

St. Columba, Maria in den Trümmern, Köln. ca. 2001

Hoffentlich können auch unsere Kinder in Frieden leben.

Ich bin noch (!) unverheiratet. Und nun endlich im Urlaub.

Gestern begegnete ich auf dem Flur in der Uni noch kurz einem Kollegen und wünschte ihm schöne Ferien- Danke gleichfalls. Was ich denn so vorhätte? Joo- erstmal Weihnachten überleben, schön essen, lange schlafen und heiraten.

„Ist das nicht aufregend? So für immer?“ „Wenn es vor dem lieben Gott wäre- dann schon, aber vor Vater Staat habe ich weniger Respekt. Ausserdem tut es nicht weh.“ Ich verliess den Raum kommentarlos und liess sein Gesicht Bände sprechen.

Tut Heiraten weh? Ihr Kollege D., den wir zum Essen eingeladen hatten, um den Ferienbeginn zu feiern, ist Opfer einer ziemlich üblen Scheidungsgeschichte. Zu der o.g. Frage sagte er nur: „Ich habe von J.T. eine Karte zum Geburtstag bekommen. Darauf stand: Von einer Hochzeit hat man einen Tag etwas, von einer Scheidung den Rest des Lebens….“

Vielleicht tut ein Ehering weh: Wenn man ihn Abends nicht mehr abbekommt, oder wenn er einfach zu eng ist. Oder wenn Sie einen im Bett tritt, weil mann schnarcht oder in ihre 2/3 des Bettes eindringt.

Aber vielleicht liegt die Angst der meisten Menschen vor einer Heirat schlicht und einfach an der Angst vor der endgültigen Eigenverpflichtung: Es gibt kein Zurück. Aber: Gab es das denn vorher?

Ich jedenfalls glaube fest daran: Eine Hochzeit ist ein Verwaltungsakt der Liebe (hoffentlich!) in dem zwei Menschen aktenkundig werden. Vor Gott oder dem Staat. Ob nötig oder unnötig- das will ich nicht entscheiden

Aber ich freue mich schon.

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