April 2009


Meine Mutter ist sehr stolz auf ihre Füsse, von denen Tante Tinni so vor 60 Jahren einmal gesagt haben soll: „Nää, das M. hät Föös wie e jung Mädsche, nä, watt schöön!“ Tante Tinni übersah dabei, dass es ich bei den Füssen, die in ähnlicher Form auch meine Grossmutter besass, tatsächlich um Jungmädchenfüße und nicht um solche einer älteren Dame handelte.

Daher (und um sich etwas abzugrenzen vom Rest der Familie) pflegt meine Mutter ihre Füsse auch sorgfältig, weicht immer schön die Nägel ein. Aber vor allem geht sie am Morgen, schlaftrunken vom Bett aufstehend immer auf den Hacken ins Bad, um die Fööss zu schonen (und die Föösskält nit ze spühre).

Sicherheitshalber legte sie schon in jungen Jahren die Saat zu einem Komplex, der mich in jedem Jahr mit Schrecken an den Frühling denken lässt. Meine Mutter hät schöön Fööss (Tante Tinnis Meinung + Eigenmeinung- objektiv sicher nicht so zu halten, der freundliche Orthopädieschuster aus Dormagen sagte seinerzeit was von Knick- Senkfüssen) aber der Pappa und die Kinder haben Nüggelsfööss (Für die nicht-Rheinländer und Westfalen: Nuckelfüße, in Anlehnung an bekannte Kindersauger).

Nun bin ich durchaus nicht der Meinung, Nüggelsfööss zu besitzen, dennoch besitze ich lediglich ein Paar Sandalen, weil ich dann doch nicht so sicher bin und meine Umwelt nicht mit dem quälen will, was mich quält.

Leider ist diese Zurückhaltung nur wenigen Mitmenschen zueigen, denn jetzt ist der Frühling da, und neben Bauchfrei und Arschgeweih hat der Frühling den Schrecken der Flip-Flops parat. Argh.

Dummerweise hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass Füße zwar so sind, wie sie sind, aber dass sie in  jedem Fall gepflegt sein müssen, bevor sie in Sandalen zur Schau/Flip-Flops/Schreckliches Zeug von New Yorker getragen und zur Schau gestellt werden. Wofür gibt es Pediküre?

Und warum müssen immer die Leute Sandalen tragen, die die hässlichsten Füsse der Welt haben? Spreiz- Senk- Matschfuss mit Hühneraugen? Und dazu diese perverse Tipp-Ex Technik (French Manikure- als ob ausgerechnet die Franzosen eine solche Geschmackverirrung erfunden hätten….), die es ermöglicht, Knies und Knas wochenlang unter den Nägeln zu konservieren! Buäh! Da geht doch die Ästhetik des Fusses vollkommen verloren.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass es unterschiedliche Fussformen gibt? Römisch und griechisch. Bei der römischen ist die Grosszehe etwas kürzer als der „Zeigezeh“ und bei der griechische länger. Das ist Kunst! Das hat man so festgelegt! (Im übrigen ist die römische Fussform das Resultat einer genetischen Veränderung. Habe ich gehört.

Vielleicht sollten mehr Füsse von Leuten von deren Müttern als Nüggelsfööss bezeichnet werden. Aber die Hoffnung ist sicher vergebens. Man sieht nämlich immer zwei Personen unterschiedlichen Alters in der Nagelstudios. Mutter und Tochter?

Meine Frau wünscht dem Kind jedenfalls ihre Fussform. Griechisch. Schmal. Lang. Und da soll ich meinen Komplex verlieren? Seufz.

Nun kommen die ersten Teile, die der Schwiegervater geschreinert hat. Nach sechs Jahren scheint unsere Wohnung so zu werden, wei ich es immer wollte, klein aber fein und durchdacht. Warum haben wir das bloss nicht schon früher gemacht? Unser Bett lässt sich nun richtig klappen und ist etwas höher (besser zum Aus- und Einsteigen und Flaschen Drunterlegen), die Unterseite ist verkleidet und nicht wie vorher einfach ein Lattenrost.

Ich habe mir endlich ein kleines Nachttischchen an die Wand gedübelt: Nun kann ich die Snooze-Funktion des Weckers nutzen, ohne mich aufzusetzen, habe ein Plätzchen für ein Buch oder meine Ohrstöpsel, die Brille…

Der Skeretär war nicht nur ein Schnäppche, er hat auch sehr viel Platz und mit dem neuen geschreinerten Regal obendrauf noch mehr. Ja, wenn- wenn nicht ein kleiner Fehler aufgetreten wäre.

Nach dem Erstaufbau kam ich nach Hause und das Erste, was mir auffiel, waren die Klemmschrauben, die nach oben sahen. Komisch, aber nach Aussage meiner Frau musste das aus optischen Gründen so sein.

Das Regal sah stabil aus und so schwere Dinge wollte ich nicht lagern. Also besorgte ich Winkel, dübelte das Ganze fest und räumte es glücklich ein.

Als ich am nächsten Abend nach Hause kam, war das Regal leer, die Winkel abgeschraubt. Mein Blutdruck stieg. Was war geschehen? Offensichtlich war die Sache mit den Klemmschrauben vom Handwerksmeister etwas voreilig als unwichtig abgetan, denn die zeigten nun nach unten, leider alles andere auch.

Also ertmal alles wieder dranbrasseln und einräumen! Los, los! Was mich eigentlich hauptsächlich aufregte, war das Chaos, da ich meine Bücher und Platten mit einem System eingeräumt hatte.

Aber stabil ist es schon, das Regal. Und später räume ich auch meine Stereoanlage dort ein.

Ach: Gerade wackelt Ihr Bauch ganz doll und man kann kleine Beulen sehen!

Aber wenn man darüber streichelt, ist alles wieder ruhig, so wie bei diesem netten Tier:

http://www.chilloutzone.to/video/komischer-kautz.html

Seit ein paar Wochen ist die Schwangerschaft auch für mich ziemlich anstrengend geworden. Konnte ich bisher nach der Arbeit ein bisschen das Bäuchlein tätscheln und mich im Wesentlichen dem Erzeugerstolz hingeben, hatte weitgehend Ruhe, mein Zimmer und meinen Arbeitsplatz, hatte gelegentlich zu Kochen und zu Putzen, so änderte sich die Situation in einem Knall:

Sie fühlte ein Ziehen im Bauch und musste daher von der Arbeit nach Hause. Die Frauenärztin ordnete dann das gefürchtete Liegen an. Denn das Kind liegt mit dem Kopf am Ausgang. Dumm.

Nun, meine Frau rechnete sich direkt aus, dass einer Woche Liegen sicher die Belohnung in Form einer erneuten Freigabe zum Herumlaufen und Herumsitzen folgen würde. Das System allerdings wollte es nicht, und so musste Sie bis auf weiteres Horchposten Matratze beziehen.

Mittlerweile darf Sie auch mal spazieren gehen, aber das geht nur über relativ kleine Strecken.

Wie ihr alle wisst, haben wir eine kleine Wohnung: Mein Zimmer ist gleichzeitig das Schlafzimmer und derzeit okkupiert. Sämtliches Equipment dient derzeit dem Wohlergehen der Schwangeren: Die Stereoanlage mit den neuen Boxen, mein Laptop (als Ersatzfernseher), das Bett selbst (Büro, Esstisch, Telefonablage) und der Platz unter dem Bett (Taschentücher und leere Wasserflaschen).

Sie hat immer Hunger: „Schatz, mach mir was zu Essen!“ „Okay, wie wärs mit Blumenkohl, Sauce und Salzkartoffeln?“ „Nee, nix mit Kartoffeln, nicht schon wieder! Mach mir lieber Reibekuchen…“

Und Durst: 2 Kästen Wasser/Woche wie nix, gar nicht zu reden von den Säften!

Nun hat sie ein Frühstückstablett mit Beinen bekommen, damit sie Ihren Laptop, die Zeitung und die Bücher nicht auf ihrem Bauch abstützen muss…..

Denn der ist erheblich gewachsen, unser Kind turnt, tritt und boxt. Und es geht ihm gut. Nur die werdende Mutter ist unzufrieden- das Sie wie das Kind will, was Sie nicht darf- RAUS!!

(Gestern abend hat sie sogar Die Hard 4 mit mir angesehen- also muss es schon ziemlich langweilig sein!)

Als echter Hit gegen Langeweile erwies sich in den letzten Tagen der von mir in den letzten Skiferien mit meinem Bruder angeschafte Nintendo DS (Wir konnten nicht Skifahren, da starke Stürme die Liftbetreiber zwangen, die interessantesten Pisten und Lifte zu sperren.), und da fuhren wir seinerzeit an den Bodensee und besorgten so ein Teil gegen die Langeweile.

Nun lässt Sie mit Begeisterung Jack Sparrow, William und Elisabeth durch diverse Pacours hüpfen.

Und immer zwischendurch dann Horchposten Matratze. Das Leben kann so langweilig sein.