„An jeder Mauer steht ein GVer!“ reimten früher meine Eltern.
Später in meinem Leben bekam das Kürzel GV eine wiederum andere Bedeutung als die Bezeichnung eines untergegangenen Landkreises. Und wiederum noch etwas später bakam das Kürzel eine weitere Bedeutung:
Geburtsvorbereitungskurs. Habe ich ja schonmal von geschrieben.
Wir haben bisher fünf von acht Terminen überlebt und vielleicht erspart uns die Ankunft des Kindes vor Pfingsten die weiteren Sitzungen. Meinen Erwartungen nach dem ersten Termin entsprechend geht der Inhalt und die praktische Verwendbarkeit der gutgemeinten Ratschläge gegen Null.
Ebenso erscheint mir das pädagogische Konzept entweder nicht vorhanden oder doch ziemlich wirr zu sein. Die basisdemokratische Struktur des Hebammenhauses und der Wunsch nach ungehemmter freier Entfaltung von Frau und Mann wird durch den angewendeten (todlangweiligen-ne, hmmmmm) Frontalunterricht, ne-hmmmmm, unangenehm konterkariert.
Machte einer der Mitstreiter in unserer ersten Sitzung von vorneherein keinen Hehl aus seinen Ansichten zum Kurs indem er es sich gemütlich machte und leise röchelnd einschlief, so erfüllte mich diese etwas direkte Art zunächst mit Zorn, nun aber mit Neid.
Der vorläufige Tiefpunkt war am Montagabend erreicht, als uns was über das Stillen, ne-hmmmm, erzählt wurde. Ne-hmmm machte die Hebamme nach, zwischen und vor einem Satz und auch mal zwischendurch, in die Stille, ne-hmmm?
Und sie lobte uns, als wären wir Viertklässler: „Ihr habt so toll zugehört und mitgemacht, ne-hmmmm, das finde ich ne- hmmmm, ganz toll! Ne? Und ihr habt sicher, ne-hmmmm, ne-hmmmm ganze Menge gelernt, ne-hmmmm!?“ ARRRGHHH!
Schön sind auch auswendig gelernte Fakten, die mit falscher Erklärung wiedergegeben werden:
Stillende sollten, ne-hmmm, nur stilles Wasser trinken, da das Kind sonst wegen der Kohlensäure Rülpsen und aufstossen müsse und ausserdem einen Wunden Po bekomme.
???????
Ich hatte 60 Minuten lang meine Klappe gehalten, aber da rutschte es aus mir heraus: „Das halte ich aber für ein Gerücht, das das an der Kohlensäure liegt, da diese sich in Lösung befindet und durch erniedrigten Druck in den gasförmigen Zustand übergeht (Sprudeln) und daher nur zu einem sehr kleinen Teil verstoffwechselt wird in Form von CO2. (Wird eingeatmet)“
Replik: „Aber wir müssen doch auch Rülpsen und Aufstossen, wenn wir Sprudel trinken!“
Ich: „Aber es gibt keine Direktverbindung zwischen Magen und Brust- würden wir das Gas ungelöst aufnehmen würden wir alle durch Gasthrombosen ins Koma fallen!“
Sie: „Aber es heisst doch Kohlensäure! Das ist doch ganz logisch! Du kannst ja mal eine vergleichende Studie dazu machen!“
Ich wollte gerade Luft hohlen, um etwas Markiges zu antworten und die Sache mit den H+ Ionen und der Säure und den Unterschied zwischen chemischen- und Gebrauchsbezeichnungen zu erklären, da bekam ich einen Knuff von rechts und liess einfach so die Luft ab.
Mann, war das eine Zeitverschwendung!
Nun komm endlich, Kind!! Nicht noch ein Montag!!
(Wir sind derzeit ohne Internet, daher ist hier gerade soviel los- ich tippe in den Pausen in der Uni!)