Oktober 2009


Nachdem ja schon einige Zeit seit der Geburt unseres kleinen Gregors in die Lande gegangen ist, war es für mich, den Vater, Zeit, all die Ereignisse während der durchwachten Nächte (da hat man je eher wenig zu tun) Revue passieren zu lassen.

Ich dachte an unseren kleinen Urlaub in Bad Kissingen, an die ersten Fahrten im neuen Auto mit neuem Kind, an die ersten Besuche der Onkels, Tanten und Grosseltern, und an ein Konzert im Dom (Paulus) vier Tage nach der Geburt, bei dem ich tatsächlich im Orchester sitzend, einnickte.

Aber mir fiel auch noch etwas anderes ein. Wir wohnten mit dem kleinen Gregor noch in Bensberg im Elternzimmer, als uns von der betreuenden Hebamme eine kleine Broschüre ans Bett gebracht wurde mit dem verlockenden Titel: „Verhütung und Sexualität nach der Geburt“

Wir bekamen diese Broschüre später wieder abgenommen-ohne nennenswerte Lernfortschritte verbucht zu haben (Kostendämpfung wahrscheinlich- eine muss drei Monate reichen!)und ohne diese besonders intensiv studiert zu haben. Lediglich eines war klar:

Stillen verhindert die Empfängnis nicht! Einige unserer Freunde verdanken ihre Existenz der Tatsache, dass es in den 1970er Jahren solche Broschüren wohl nicht gab. Und: Es musste einen Grund geben, warum ein intensives Studium der Texte obsolet ist.

Aber was verhindert denn nun eine Empfängnis? Eine Freundin aus Jugendtagen schockte ihre erzkatholischen Eltern einst, als sie von einer Studienfahrt in der 12. Stufe nach Mèze in Südfrankreich mit einem T-Shirt zurückkam, welches den Aufdruck „Möchtest richtig du Verhüten, nimm MELITTA Filtertüten!“ trug.

Dieses witzig gemeinte Bonmot veranlasste die Eltern zu unrecht, an der moralische Unversehrtheit ihrer Tochter zu zweifeln (die 10 Jahre später einen todlangweiligen Mathematiker heiratete).

Aber wie gehts denn nun? Die Wahrheit scheint mir ziemlich simpel zu sein. Könnt Ihre Euch noch an die lustigen Aufkleber erinnern, die eine zeitlang Autos (vornehmlich Audi Avant A4-A6, TT, Mercedes Kombi, Porsche 911 in hässlichen Farben, tiefer, Turbo-Optik) zierten?

„Hast Du noch Sex oder golfst Du schon?“

Das bester Verhütungsmittel ist das Kind selbst! Heureka! Besonders, wenn es das Schlafzimmer der Eltern bewohnt!

„Hast Du noch Sex oder hast Du schon Kinder?“

Eine ménage à trois stellt man8(n) sich eben doch anders vor.

Zugegeben, diese Frage ist nicht besonders neu, aber da Daniela und ich diese kleine Diskussion über die männliche Identität und die Erwartungen bzw. das auszufüllende Rollenbild des Mannes gerade gestern Abend führten, passt dieser Artikel wie die Faust auds Auge:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,653187,00.html

Unser Kind ist bisher noch kein offizielles Mitglied der katholischen Kirche, auch wenn es sicherheitshalber von mir als Christ in die christliche Gemeinschaft aufgenommen und mit Namen versehen wurde. Sowas kann man sicher als Nottaufe bezeichnen- ich finde aber, dass unser kleiner Gregor gleich da willkommen geheissen werden könnte wo er herkommt und hingehört und wenns durch Laien ist.

Obgleich das Sakrament der Taufe auch von Laien gespendet werden darf (Laienzauber) wollten wir doch, dass unser Kind auch von einem offiziellen Repräsentanten der fraglichen Organisation aufgenommen wird.

Wir hatten uns gedacht, dass dies ein uns bekannter, netter Pater in einem uns bekannten netten Kloster machen könnte- soweit so gut. Aber Mutter Kirche ist da leider ein bisschen komplizierter:

Wir wurden also in dem fraglichen Kloster vorstellig und fragten uns so durch- bis wir zum Stiffmaster of Church- dem Rector Ecclesiae durchdrangen. Ohne unser Anliegen direkt abschlägig zu bescheiden fragte er uns, ob wir denn schon mit unserem Pfarrer bezüglich der Taufe gesprochen hätten. Hatten wir natürlich nicht- wir wollten ja in Knechtsteden taufen lassen. Also liessen wir uns das Procedere erklären:

Zunächst einmal gehört jede potentiell zu errettende Seele der Pfarrei oder dem Pfarrverband, dem die kirchensteuerzahlenden Eltern angehören (wie das aber mit Seelen nicht kirchenstauerzahlender Eltern und Kinder ist ist unklar). Das wieder eine zu errettende Seele aufgelaufen ist, erfahren die Pfarrämter vom Standesamt des Geburtsortes des Kindes (Jaaaa, wir sind gut verwaltet!).

Die Kerbe, die sich die Pfarrei für die nun errettete (getaufte) kleine Seele ins Holz der Sakristeitür schnitzt (so wie Winnetou für jeden seiner getöteten Feinde eine Silbernagel in seine Büchse schlägt), scheint Gegenstand eines Wettbewerbes zu sein.

Will man die kleine Seele nämlich in einer anderen Pfarrei erretten (taufen) lassen, muss man den Pfarrer der Heimatpfarrei erst fragen, ob er auf o.g. Kerbe in der Tür verzichtet. Bei unbeliebten Pfarrern ist da natürlich die Statistik versaut, wenn alle abhauen, denn irgendwann sind auch schon die Bestände abgebaut (Beerdingug- die Seele kommt an ihren Ursprungsort zurück- oder auch nicht-siehe Fegefeuer) und ruck zuck ist auf dem Seelenkonto ein dickes rotes Minus (Malus).

Und damit man nicht so einfach abhauen kann als kindliche Seele müssen die kirchensteuerpflichtigen Eltern sich einen „Entlaßschein“ (Ehrlich, kein Witz!!) ausstellen lassen, um dann die Seele in einer anderen Pfarrei retten zu lassen.

Da muss man dann die Taufe anmelden und die Paten. Und nun kommt Verwaltungsakt II:

Pate oder Patin sein- als Voraussetzung reicht nicht, dass Du christlich getauft bist- NEIN! Pate, bringe Deinen „Patenbrief“ (Auch hier- kein Witz), der von Deiner jeweiligen Heimatpfarrei ausgestellt wird, so Du denn kirchensteuerpflichtig bist!

Jaa, wir sind gut verwaltet. Mutter Kirche hat doch von den Preußen viel lernen können. Nur dass es kein Bürgeramt mit grosszügigen Öffnungszeiten gibt, sondern nur Pfarrämter, die oft an jedem Montag mit ungeradem Datum nach Vollmond von 16:45 Uhr- 17:15 Uhr geöffnet sind.

Onlineanträge gibts nicht. Da hilft nur Beten!

Und hier noch ein paar Gründe gegen Kinder: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47378-2.html