doch alt geworden


Das Stillen eines Babys soll im Mutterleib verschiedene glücklichmachende Hormone freisetzen und zudem das Körpergefühl von Mutter und Kind positiv beeinflussen. Stillen beugt Allergien vor, versetzt das Kind in eine geradezu traumhafte Abwehrlage (zur Verbesserung der Gesundheit sollte wohl jeder Arbeitnehmer gestillt werden) und insgesamt soll Stillen irgendwie sehr gemütlich und entspannend sein.

Da wird Mann doch neidisch, oder?

Alle Stillenden, die ich kenne, widersprechen mir vehement. Kein Grund neidisch zu werden. Einzig der Entspannungsfaktor käme in Frage, da nach dem Stillen alles vergessen sei, was man sich vorher ausgedacht habe- eben Stilldemenz.

Aha- was wollte ich nochmal schreiben (Demenz wg. Schlafmangels)?

Hmmmmmm:

Ich übernachte schon seit einiger Zeit wieder im gemeinsamen Bette und bekomme so vom Stillen nur die Geräuschkulisse (BRÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ-SchmatzSchmatzSchmatz-Prrrrrrrrrrrrrrhuihintenraus) und nicht die tollen Hormone und Körpergefühle mit (wenn sie denn exixtieren).

Dafür wird mein Horizont in eine andere Richtung erweitert:

Dinge, die ich früher verschlief, werden nun an meine halbwachen Ohren gelassen: Nächtliche Badeorgien, heimkommende Betrunkene und: Sex. Körperliche Liebe in akustischer Form. Leider nicht immer besonders anregend.

Ich begann das ganze wahrzunehmen, als sich vor ein paar Wochen so gegen 3:30 Uhr ein Paar in der Nachbarschaft ehrlich und lautstark bemühte, sich gegenseitig Lust zu verschaffen- was gelang. Dies wiederholte sich eine halbe Stunde und wiederum ein paar Tage später.

Derzeit lauere ich auf die Gelegenheit, nach Abschluß des Aktes auf den Balkon zu gehen, zu Applaudieren und „Da Capo!“ zu schreien, um so die vielleicht erneut aufkommende Libido zu unterdrücken.

Unsere homosexuellen Hausgenossen verabschiedeten sich ja seinerzeit mit einem lauten Knall, als sie in sexueller Raserei das Bettsofa pulverisierten und sich nachher darüber stritten, wie blöd man sein müsse, um sowas hinzukriegen. (Das war so laut, da brauchten wir kein Kind zum Wecken- ist auch schon ein paar Jahre her!)

Unsere neuen Hausgenossen sind eher der Firma Singer zuzuordnen. Schnell, kurz, abgehackt und viele Ansätze- verdammt, schraub doch mal einer das Bett fest!!

Nun kommt bald der Winter, und die Fenster werden wohl wieder geschlossen sein. Puuh. Leider trägt Beton den Schall so gut…

Da wir in einer gegend mit vielen Netzwerken wohnen, sollten wir wohl unser Netzwerk zur subtilen Warnung an die Nachbarn umbenennen:

-wecanhearyouhavingsex-

Ich komme von der Arbeit nach Hause.

Die beste Ehefrau von allen hat etwas köstliches gekocht, das Kind ist so höflich und wartet das Essen ab, um dann noch aufzuwachen, um irritiert erst die Wand mit Kalender und dann seinen Erzeuger anzusehen und erstmal nach dem Nucki zu schreien.

Beim Applizieren des Nuckis kommte der Erzeuger nahe genug an das Gesicht des Säuglings und dieser merkt: Den Typ kenne ich irgendwoher. Fragen wir mal nach.

G: „Guuuuuhh hiip“ (Süssssss!)

P: „Ganz richtig, ich bin Dein Vater. War die ganze Zeit auf der Arbeit. Wie geht´s Dir, mein Kind?“

G: „Ghhhhhhh“ (sehr leise, lacht)

P: „Bei mir wars auch ganz gut für einen Montag mit Kursbeginn-Du kannst Dir nicht vorstellen, was die Studis allen wieder nicht wissen! Komplett die Festplatte gelöscht in drei Wochen!“

G: „Baaahhjeeeeeei!“ (laut, lacht wieder)

P: „Genau, das ist wie in die Windel kacken, ohne zu wissen, was man macht! Sowas gehört verboten. Was gab denn bei Dir zu Essen, ich hatte Brötchen und nachher gefüllte Paprika (ohne Zweibeln) mit Reis.“

G: „ÖrrrrrrrÖrrrrrrrrli“ (Schluckauf, angedeutet)

P: „Nein, Mundgeruch sagt man mir nicht nach, aber Du stinkst ein bisschen aus der Luke!“

G: „Hmmmmmmmmmmmmmmui“ (seeeehr leise)

P: „Hmmm, so ´ne schöne Milch ist aber auch toll.“

G: „BLB“ (sehr feucht vorne) „Prrrrrrrrrrrhui“ (trocken hinten)

P: „Bin auch froh, dass die Leichtathletik-WM vorbei ist, so dolle war es ja auch nicht.“

G: „BRÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ“

P: (singend) „Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein! Alle die Weiber und Branntwein mögen, müssen Männer mit Bärten sein! Jan und Hein………. (darunter Bordun BRÄÄÄÄÄÄÄ bei hochrotem Kopf und weiten Pupillen-Atropin und junge Maid machen die Pupillen weit…..)

P: (singend) „Lange Samstach in dä Citi, Papp und Mamm de jonn mem Titti… (BRÄÄÄÄÄÄ)

G: (lauter werdend) „BRÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!

P: „Ech mööch su jään ens kriesche, doch kriesche darf mer net! Schon als kleine Jung weed de jesaat, Indianer kriesche net! Ech mööch su jään ens kriesche, weil et mer manschmol danoch ess……“

G: (FFF!) BRÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!

Nun wird der Kleine an die Mutterbrust gegeben. Soviel zu Männergesprächen.

Wider Erwarten bekam letzten Freitag das sanitärfarbene Auto eines bekannten, sich derzeit permanent in den Schlagzeilen befindlichen Herstellers, welches wir als Dauerleihgabe von den Schwiegereltern haben, noch einmal zwei Jahre TÜV mit geringen Mängeln (sic!!) und dem wenig dezenten Hinweis, das Auto aber in zwei Jahren doch zu verschrotten.

Sozusagen wurde das automobile Gnadenbrot gegeben. Brav, Liese!

Hatten wir ursprünglich die Idee, uns einen Neuwaren anzuschaffen, um die „Umweltprämie“ mitzunehmen, sind wir von diesem Gedanken wieder abgerückt. Besonders da das Automobilblättchen, mit dessen Erwerb ich den Arbeitsplatz meiner Schwägerin subventioniere neulich schrieb, wie billig Dank der o.g. Prämie derzeit Gebrauchte Fahrzeuge mit ca. 3 Jahren Alter wären.

Und so schauen wir nun nach einem Auto, dass so drei Jahre und maximal 60.000 km alt ist. Und günstig soll es auch noch sein, sicher und sparsam. Innen groß und aussen klein, damit man auch noch einen Parkplatz finden kann. Da gibt es eine Riesenauswahl: Opel Astra (aktuelles Modell), Ford Focus (vor dem diesjährigen Facelift), Kia Cee´d, Toyota Auris, Mazda 3, VW Golf V…..

Gefragt wäre ein Benziner. Automobilisten, habt Ihr Vorschläge?

Meine Brüder besitzen Fahrräder, die wahre Rennmaschinen sind. Die Räder sind leicht- teilweise aus Carbonfaser- gefedert und technisch hochwertig. Hydraulische Bremsen, handgeschnitzte, leitlaufoptimierte Reifen und von vollbusigen, blonden Autistinnen singend handsortierte und polierte Kugellagerkugeln lassen die Räder abgehen wie Schmidts Katze. Und das alles zu einem Preis, für den ich vor Jahren mein Motorrad gekauft habe.

Mein eigenes Fahrrad (Peugeot) erstand ich günstig auf einer Resterampe und verbog mir gleich in der erten Woche die Gabel, als ich einen BMW auf der Hohestrasse als Bremshilfe benutzte. Die kleine Kante, die mein Gepäckträger in den Kofferraumdeckel schlug war kaum erkennbar, machte aber seinerzeit einen Austausch des Deckels nötig, was wiederum meine Haftpflichtversicherung mit einem nüchternen Brief an mich quittierte:

„Wir erlauben und Ihnen mitzuteilen, dass im Schadensfall XYZ vom XYZsten eine Summe vom 1896,87 Euro zur Schadensregulierung von uns aufgebracht wurde.“

Aber ich schweife ab. Bevor nun das Kind kommen würde, muss ich ein Mittel finden, die velizopede Übermacht meiner Brüder mit finanziell überschaubaren Mitteln zu brechen oder wenigstens meinen Abstand zu verringern. Und das zu geringen Kosten.

Daher begann ich, nach einem Liegerad zu suchen- ein Thema, das mich seit Jean Pützs Hoppythek verfolgt- und so durch aerodynamische Optimierung meinen Brüdern wenigstens folgen zu können.

Also belauerte ich wochenlang die Szene auf Ebay und bekam schließlich den Zuschlag für ein in Marburg stehendes Rad. Wer auf Bildersuche gehen will: Flevo /Flevobike /Modell: Fifty-Fifty

Ich habe es am Freitag abgeholt und gleich ausprobiert: Die Strasse war zu schmal! Trat ich rechts, fuhr das Rad nach links und umgekehrt. Elegant wie ein deutscher Frachter beim Zickzackkursfahren vor der somalischen Küste. Aber es waren keine Piraten da.

Ein weiterer Versuch erfolgte am nächsten Tag: Ich stiess immer mit den Beinen an den Lenker! Daher das Geschlingere!  Nach dessen Justierung ging es schon viel besser

Und siehe da- sogleich lief es prima. Zumindestens geradeaus. Nun brauche ich noch eine laute Klingel, denn man wird von Fußgängern schlecht gesehen.

Warum schreibe ich so etwas in diesem Blog? Bei Erwähnung des Liegerades verfällt meine Frau in ein ihre Mundwinkel umspielendes Lächeln. Ich fühle mich nicht ganz ernstgenommen. Vielleicht ist das Fahrrad ja die letzte vorkindliche Spinnerei die sich Papa leisten wird? Oder was kommt noch? Wo machen wir den Kindersitz fest? Legt er sich doch noch auf die Schnautze?

Jedenfalls ist das Teil schnell- oder es fühlt sich so an. Und bequem. eben erwähnte Sie noch, dass Sie es ja benutzen könne, wenn das mit dem Sitzen auf einem normalen Sattel nach der Geburt nicht so geht…..

Noch ein kleiens Schmankerl für Disney-Fans (aber Du darfst auch gucken, Baldtante!)

http://www.chilloutzone.to/video/dwarfed-punk-harder-better-faster-stronger.html

Kinder, so sagt man, saugen Begriffe, Schimpfworte, Tricksereien und viele Geheimnisse auf wie ein Schwamm, um sie dann zur Unzeit, ohne um deren Bedeutung zu wissen, von sich zu geben. Dabei werden überwiegend die Eltern kräftig blamiert oder der Steuerfahndung in die Arme getrieben.

Zugegeben, es klang schon irgendwie geheimnisvoll, als meine Mutter mir sagte, ich solle níemandem erzählen, dass unser Garten von einem Studenten angelegt wurde- dieser arbeite schwarz bei uns. Ich hielt das eher für eine feine Umschreibung von „viel Arbeit, wenig Lohn“ (Ausbeuterei!) und natürlich richtig, daher schwiegen ich und meine Brüder (Ausbeuter!).

Ein anderes Mal konnte ich jedoch die Klappe nicht halten, als ich dem Pastor, den meine Mutter quasi vergötterte, in dessen breiten Schatten stehend mitteilte, dass er „aber einen dicken Bauch habe“ (1,70 m, 110 kg). Meine Mutter wollte wohl im Boden versinken, besagter Pastor lachte nur dröhnend- offensichtlich seiner Schwäche bewusst und im Wissen um die Tatsache, dass Narren und Kinder die Wahrheit sagen.

Wenn man sich beobachtet, bemerkt man, dass sich eine Menge Schimpfworte und Flüche ins Alltagsvokabular eingeschlichen haben. Und das alles kann das Kind ja in die Öffentlichkeit tragen! „Mein Papa und meine Mama sagen aber auch immer FUCK, wenn ihnen das Butterbrot runterfällt! Jawohl!!“ Oh- mein- Gott- wie- peinlich!! (Und das ist ja noch ein relativ harmloses Szenario! Man bedenke nur die Möglichkeit des Vergleiches von Genitalien oder Geläster über die anderen Eltern!)

Deshalb habe ich mir einiges vorgenommen: Weniger Fluchen. Da ich täglich etwa 10 Kilometer mit dem Fahrrad durch Köln fahre, fällt mir das wirklich schwer!

Als Strategie habe ich mir überlegt, statt wilde Verwünschungen auszustossen, das Ganze mit Freundlichkeit zu tarnen (Versuch der Ironie- verstehen Kinder angeblich nicht.). Garnicht so einfach. Wird mir die Vorfahrt genommen- ich winke fröhlich mit lachendem Gesicht hinter den Autos her. Ich werde abgedrängt- ein höfliches Dankeschön (Lachen, Freundchen, lachen!!) kontert. Ich reagiere gelassener, wenn mir einer Unrecht tut. Und immer schön lächeln!!

Idiotensicher, möchte man meinen. Ihr erinnert Euch an den kleinen Zusammenstoss, den ich neulich schilderte („Ich hack Dir die Finger ab, Du Arschloch……usw.!“) Leider ist der durchschnittliche Verkehrsproll nicht in der Lage, eine echte Bleidigung (Mittelfinger) von Ironie (fröhliches Winken nach Verkehrsverstoss) zu differenzieren (Hast Du doch eben gesagt- Kinder verstehen keine Ironie, nä?).

Ich spaziere also durch eine verkehrsberuhigte Zone (Früher: Spielstrasse) d.h. Fussgänger Vorrang, alle anderen: Schritt fahren. BMW hupt mich an, weil ich seine Bahn kreuze. Ich lächle und winke und mache Platz. Hätte ich mal besser gelassen. „Alta, willst Du misch dissen? Ey, latschst da uber Schtrasse? Bist Du panne oda was? Ey SchpielSchtrasse- bist Du Schpielkind, oda was?“

Naja, wenigstens wurden mir keine Schläge angedroht

Gewisse Mitglieder meiner Familie favorisieren für unser Kind Namen, die auch Spieler des 1. FC Köööööln!!! tragen. Lukaaas ist nicht der Favorit aber immerhin dabei. Unser persönlicher Favorit der Jungennamen ist es auch nicht.

Lukaaas Podolski und Barrak Obama wurden jeweils vom kölschen Bildungsblatt Express als Messias bezeichnet (Warum auch immer- beide werden uns viel Geld kosten).

Daher machten sich die Mitternachstsspitzen gestern Abend den Spass, beide in einem fingierten Interview „zusammen“ antreten zu lassen:

„Herr Präsident, wenn Sie nach Afghanistan gehen, was wird sie erwarten, was werden Sie tun?“

BO: „……..“

LP: „Afghanistan? Kennisch nich. Is das rechtsrheinisch?“

„Herr Präsident, da erwarten sie die Taliban!“

BO: „………“

LP: „D kanner noch froh sein. Wenn isch nach Köllln komme, wachten auf misch die Höhner!!“

HAHAHAHA!!!

Ihr wundert euch bestimmt, warum ich in den letzten Tagen und Wochen eher unregelmässig geschrieben habe: Es ist kaum etwas um das Kind herum geschehen. Es boxt, schläft und wächst. Die Mama hat langsam aber sicher zumindestens im Stehen einen netten kleinen Bauch, der mir sehr, ihr aber nicht so sehr gefällt.

Was sonst so geschehen ist, hat kaum was mit dem Kind zu tun. Sie ist verstummt- jedenfalls fast, denn sie hats im Hals. Mist.

Ich habe neulich auf einer Fortbildung einige Zahnärzte aus meiner Lehrzeit als Zahntechniker getroffen, die mich teilweise echt mies behandelt haben: Sie wurden meiner ansichtig und man konnte sehen, wie es hinter den Stirnen arbeitete- irgendwoher kenne ich den Kerl……

Mein Chef (ehemaliger) stellte mich dann vor: „Blablabala…… Lehrjunge, jetzt studiert und promoviert an der Uni….“

Den Kollegen fielen die Augen aus dem Kopf: „Herr Kollege, lassen sie uns anstossen! Prosit!“ (Früher: „Ey, du, jetzt beweg Dich und renn hoch/ fahr los/ beweg deinen Arsch und hol das Mistding……usw. usw.“)

Ein anderer: „Und was macht ER so an der Uni?“ Ich: „Wer?“ „Na ER!“

Ich: „Kollegen, was wir an der Uni machen ist viel banaler als sie so denken. Wir versorgen überwiegend die Patienten mit viel Beratungsbedürfnis, viel Behandlungsbedarf und wenig Geld. Kurzum die, die Sie in Ihren Praxen nicht so gerne sehen und dann an die Uni verweisen.“ Das war dreist-aber keiner protestierte. Hat Spass gemacht, die Kollegen zu entlarven.

Erschreckend war allerdings auch, dass nicht nur Studenten, sondern auch fertige Zahnärzte teilweise nicht in der Lage sind, aus einem strukturierten Vortrag verwertbare Informationen zu ziehen, und sich in der anschließenden Diskussion (ausschließlich durch die Nichtwisser geführt) durch profundes Nichtwissen zu outen, während alle anderen die Augen verdrehen und endlich ans Buffet wollen.

Besonders nett:

„Das System ist ausschließlich für Vollkronen und Brücken verwendbar.“

„Kann man mit dem System auch Veneers und Teilkronen machen?“

„Nein, das System ist ausschließlich für Kronen und Brücken verwendbar.“

„Aber ein Veneer und eine Teilkrone ist nach Shillingburgh eine Krone!“ (Stimmt nicht- alles Teilkronen)

„Es geht hier ausschließlich um Vollkronen!“

„Ja- und Brücken jetzt nicht?“

Ohne Worte, oder? Auch für Fachfremde!

In der Uni geht es endlich auf das Semesterende zu. Nun beginnen die echten Dramen- bei Studierenden, denen ich es so überhaupt nicht wünsche. (Auch bei manchen, wo ich es mir wünsche! Fies!)

Ich habe einen  Plattenspieler, den ich sehr mag, dar aber leider unter kleinen Macken leidet: Er hat keinen Vorverstärker und muss daher unter vollem Aufdrehen des normalen Verstärkers betrieben werden, was den Klang nicht toller macht. Dabei höre ich doch so gerne Platten! Schon als Kind konnte ich stundenlang dem hypnotischen Gedrehe und Gezwirbel der Schriften auf dem Label in der Mitte nicht widerstehen.

Mein Plattenspieler ist vom Sperrmüll und ein echter Glücksfund, kostete er doch in neu seinerzeit sagenhafte 900 DM (Noch richtiges Geld!), und ich klaubte ihn für 0 DM und völlig intakt inclusive dem Walnussgehäuse (Aufpreis DM 150) von der Strasse. Er hat mich viele Jahre begleitet, doch nun muss er gehen.

Beim Sperrmüll muss man mit Osteuropäern konkurrieren, nun gibt es ja Ebay, wo man das ganze Zeug wiederfindet. Oder ein kleines Schnäppchen machen kann: Einen fast neuen Dual mit einem sehr schönen Echtholzgehäuse für ´nen Appel und ´nen Ei. Den bekommt man auch neu (ohne Echtholz) dafür je nach Anbieter für 500 Euro. Ich sage nicht meinen Preis, sonst nehmt ihr mir den weg.

Den alten Plattenspieler habe ich gleich bei Ebay eingestellt und er wurde auch gleich für Euro 30 verkauft. Nun kommen mir Zweifel. Soll ich doch den alten behalten?

Meine Frau mag keine Platten. Die knistern. Gerade das mag ich. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sie als Studentin beim WDR digitalisierte, alte Aufnahmen auf Geräusche abgehört hat. Das war wohl recht gut bezahlt, aber eher langweilig.

Platten, die meine Kindheit prägten, möchte ich unserem Kind nicht vorenthalten: Kennt Ihr noch die Komponistenplatten von und mit K.H. Böhm? „Das Geld rinnt Schubert durch die Finger. Er kann das ersehnte Klavier nicht kaufen…“ (Hintergrund Sinfonie 8)

Herrlich. Die haben wir rauf und runter gehört. Schade nur, dass wir auf die schöne Musik in aller Vollständigkeit keinen Zugriff hatten….

Ja, auch in unserem Plattenschrank befand sich James Last (Schäm!) aber auch Elton John, den meine Mutter hasste (so eine Geschrei hört ihr mir nicht!), Passport, Count Basie, und viel Dixieland! Daneben eine unsystematische Ansammlung an Klassik: Brandenburgische Konzerte, Vivaldi, abgefahrene Lautenmusik, Rachmaninoff (ich weiss, das ist nicht alles per Definitionem Klassik, es geht mir um den Sammelbegriff!).

Als dann die CD aufkam, landeten im Dörp die ganzen Platten auf dem Sperrmüll und damit auch die Plattenspieler, und alles fand seinen Weg in unsere Kinderzimmer. Leider hatten wir noch nicht so viel Ahnung von den Schätzen, die wir da hatten (Boston, Rainbow, BeeGees und so viel mehr.HEUL!!), und bauten uns eine Art Katapult, das es uns erlaubte eine LP ca. 200 Meter weit zu verschießen. Singles gingen nicht ganz so weit.

Einiger unsere Nachbarn werden sich bei der Überholung der Flachdächer sicher noch in vielen Jahrendarüber wundern, warum auf den Dächern Platten von Mireille Matthieu oder Costa Cordalis oder Udo Lindenberg liegen. So über den Daumen gepeilt verteilten wir gut 200 LPs auf diese Weise.

Unsere Erben im Geiste werden das in naher Zukunft siche noch mit CDs machen, wenn die bei Ebay garnichts mehr einbringen. Aber CDs fliegen nicht so gut.

Nun ist das neue Jahr da.

Wir haben artig Herrn Rüttgers zugehört, der uns auf `harte Zeiten aber doch irgendwie besser als im vergangenen Jahr´oder so einstimmte, haben die Kommentare zur Jahresschlußrede von Frau Merkel gelesen, und haben das alte Jahr mit Raclette und Schokoladenfondue und ganz wenig `Jules Mumm´ (der Stoff, der die Frauen in der Werbung bei Grey`s Anatomy von dem Mann in der Badewanne fernhält!) in den Ruhestand geschickt.

Wir waren ob der Knallerei um Mitternacht überrascht, dass die Finanzkrise wohl doch nicht so schlimm ist, und dass keiner der Mitmenschen in der Lage ist, seine Sauerei auf dem Bürgersteig bis zum Nachmittag selbst wegzuräumen. Das wird sicher besser. Nicht, Jürgen?

Dafür können wir, dank feinsinniger Freundin, einen weiteren Ratgeber unser eigen nennen:

„Elternkrankheiten-Der große Ratgeber“- geschickt vorbeugen, messerscharf erkennen, erfolglos behandeln. Und weiter: Von führenden Müttern und Vätern empfohlen: -Alltagsgetestet, LEID-geprüft, -Glutenfrei!

Ha- Besipiel!!

Geschlechterkrampf (lat.: sexus komplexus)

Beschreibung: Elterliche Bemühungen, das Kind ohne Geschlechterschranken aufzuziehen

Mögl. Auslöser: Das Elternteil stellt beim Vorlesen eines Kinderbuches fest, dass alle wichtigen Figuren männlichen Geschlechts sind: DER Baggerführer, DER Polizist…

Mögl. Reaktion: Das Elternteil nimmt beim Vorlesen eine politisch korrekte, aber optisch unglaubwürdige Veränderung vor: „Der Baggerführer oder die Baggerführerin gräbt eine Grube aus.“ „Der Polizist oder die Polizistin verhaftet den Dieb oder die Diebin…“

Mögl. Komplikationen: Die Krankenschwester oder der Krankenbruder verarztet die Wunde oder den Wunderich, da kommt die Hebamme oder der Hebammer hinzu…..

Folgen: Selbst einfache, harmlose Gutenachtgeschichten haben plötzlich die Länge von `Romeo und Julia´(Romea und Julio) sowie verwirrende Anzahl von Darstellern.

Chancen: Die Tochter will sowieso nicht vorgelesen bekommen, sondern lieber Barbie spielen, der Sohn ist längst mit dem Bauarbeiterhelm auf dem Kopf eingeschlafen.

(Das Buch wurde von zwei Frauen geschrieben!!)

Nun sind wir schon zwei Tage verheiratet!! Es gab Zeiten, da war eine Woche „Zusammensein“ schon ein Jubiläum wert. Erinnert ihr euch? Nee? Denkt noch mal scharf nach!! Ich kenne euch doch! Ihr habt doch auch anfangs gezählt!

Ach ja, heute haben wir eine Menge Karten geschrieben (Sie mehr als ich), die alle in die Täler der Ahnungslosen gehen! Bin ja mal sehr gespannt auf die Reaktionen. Falls es zu schlimm wird, müssen wir irgendeine Fete als Ersatz vorhalten.

Heute habe ich nochmal versucht, das Baby zu hören.

Ähnlich Geräusche kenne ich aus dem `Boot´, wenn gerade auf `Geleit´ operiert wird.

Ich kam mir vor wie der Horcher in seinem Schapp, der mit verkniffenem Gesichtsausdruck rapportiert: „Langsame Kolbenmaschine 20 Dez Backbord, wandert rechsweisend aus, leiser werdend….“ und dazu das Gepfeife und Gejaule der Verstärkeranlagen.

Aber genau das waren sie Geräusche: Holpriges Tuckern (Baby haut gegen die Wände?), Gluckern (Gerade was gegessen, Schatz?) und Jaulen (Waren wohl Zwiebeln dabei!).

Euch allen ein frohes neues Jahr 2009! Mast und Stengenbruch!

Zum Tag selbst ist noch zu sagen, dass wir uns noch bei Kaffee und Kuchen und später in einem netten Fischlokal noch ein bisschen verwöhnen liessen. Die Zwischenzeit (also die Zeit zwischen den Mahlzeiten) verbrachten wir mit einem langen Spaziergang bei schönstem Wetter in bitterer Kälte.

In den Tag danach entliess uns mein Vater, der noch so gegen 22:20 Uhr anrief, um nochmal alles `Gute und Danke für das Fest´zu sagen.

Zu dem Zeitpunkt lagen wir schon im Bett, aber als das Telefon klingelte, hatte ich schon reichlich Adrenalin im Blut: An der Anzeige sah ich, dass es meine Eltern waren. Ich selbst gehöre zu der Generation, die Telefonanrufe nach 22:00 Uhr nur in Notfällen tätigt und daher immer alarmiert ist, wenn sie selbst einen so spät bekommt.  War dann aber ja nichts schlimmes. Im Gegenteil. Wir hatten allerdings schon geschlafen (nur das Baby nicht, das hat geturnt!).

Der Tag danach- also heute- begann damit, dass Sie mich, während sich noch unter der Decke kuschelte, kritisch musterte.

„Von vorne geht´s bei Dir so gerade, da siehst Du schon ziemlich gebraucht aus. Umdrehen! Naja, schon besser. Aber ich dachte, man bekommt bei so einer Hochzeit was neues, und nicht sowas abgewetztes!“ „Du weisst ja, wo Du Dich bedanken kannst, jedenfalls bin ich gekauft wie besehen!“

„Gebrauchte haben ja auch Vorteile- die Kinderkrankheiten sind durch- und die Reparaturanfälligkeit sinkt, und Du kennst schon alle Macken!“ „Ja, und Du musst nicht mehr so vorsichtig sein, wenn da mal ´ne Beule reinkommmt, merkt man´s kaum und reparieren muss man auch nicht unbedingt.“

Unsere Küche heisst nun `Frauengefängnis´, worauf ich einwarf, dass diese kleine Reling in Bodennähe zum Einhängen der Fußkette noch fehlen würde.

„Und Sex macht nun garkeinen Spass mehr, jetzt dürfen wir ja! Gut, dass wir das mit dem Kind schon vorher erledigt haben, oder?“

Eben fragte Sie noch, ob ich meine kleine Rede vorher geübt habe. Hatte ich nicht, nur ein paar Gedanken habe ich mir im Vorfeld aber doch gemacht.

Eigentlich wollte ich frei nach K. Beikircher sagen: „Also, Westfalen und Rheinländer unter einem Dach! Es ist nicht schön, aber Ihr seht, es geht!“ (Nix für ungut!!)

Die anderen Dinge fand ich aber wichtiger.

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