Präambeln


Nun ist es geschehen: Wir sind verheiratet. Zumindestens standesamtlich.

Eine Freundin wünschte uns im Vorfeld „aufregende 20 Minuten im Rathaus“, und ich gebe zu, dem ist nichts hinzuzufügen. Die Standesbeamtin gab sich große Mühe, den Text souverän in der Zeremon I E ´rüberzubringen, aber dennoch klang es sehr auswendig gelernt. Aber das ist schon okay, schließlich hat die Dame wohl schon hunderte Ehen geschlossen. (Da kann man bestimmt tolle Sozialstudeien anstellen!)

Meine Eltern wirkten sehr ruhig, dafür waren meine Bro´s um so aufgedrehter, was sich speziell in der Anfertigung diverser SPAST-Fotos niederschlug (SPAST- ein Markenzeichen der Liebethal GmbH & Cie.).

Und irgendeiner hatte auf den Bildern sowieso die Augen zu. Ich allerdings kam auch nicht besonders gut weg: Vor der Rathaustanne mit den Eltern drapiert versuchte Sie mir mit der Hand von unten in meinem Jakett, während ich selig grinste, sie die Augen verdrehte und die Zunge rausstreckte, die Krawatte gerade zu ziehen. Hmmmmm. Vielleicht ein bisschen missverständlich.

Die Schwiegereltern wirkten ausgesprochen gerührt, scheuten sich aber dennoch nicht, nach den Kamelen als Mitgift zu fragen, die ich eigentlich erwartet hätte. Nach 11,5 Jahren baggern hätten die doch wohl mir zugestanden?! Sozusagen als Belohnung für Hartnäckigkeit!

Ach ja- die Ringe brauchten etwas Kraft. Wir bekamen sie nicht auf den Finger, jedenfalls nicht ohne Hilfe. Tragen tun sie sich aber schön. Nix wie in Lord of the Rings! Bequem!!

Wir fuhren dann alle Mann mit der Straßenbahn zum Frühstückslokal, was speziell meine Eltern sehr cool mitmachten. Hatte da im Vorfeld jemand gequatscht? Egal, tolles Frühstück mit Prosecco und Ei wärmte uns nach der Kälte auf dem kurzen Fußweg wieder auf.

Nun kann keiner mehr weg, wir haben also nun je ein gegenseitiges `Ehegesponst´(L.G. Buchheim), das nun besonders verpflichten soll. Aber tut es das nicht auch so? Verantwortung haben wir doch auch so übernommen.

Viele haben an uns gedacht, uns geschrieben, gesmst, sind extra von weit hergekommen oder waren einfach nur um uns herum. Die Großeltern waren auch irgendwie dabei. Hoffe ich.

Das Baby hat übrigens immer Hunger, wenn gerade nix zu bekommen ist. Deshalb habe ich immer etwas Schokolade für Sie in der Tasche. Ausserdem mag es Prosecco!

Eban kamen wir von Ikea zurück. Wir haben Kisten und Kästen gekauft, um die Dinge, die man im Laufe des noch kurzen Lebens so anhäuft, für uns und die Nachwelt zu bewahren: Liebesbriefe, Postkarten, Tagebücher „….heute von D. geträumt…“, Cassetten und jede Menge Staub. Zeitschriftenjahrgänge, Comics und jede Menge Prüll.

Jedenfalls hatten nicht nur wir die Idee, frühmorgends Ikea heimzusuchen, dennoch gelang es uns, mit unserer Beute den Parkplatz zu verlassen, bevor der Ansturm richtig losbrach.

Auf dem Heimweg wollte ich noch das seit Monaten in meiner Tasche befindliche Geburtstags- und Geburtsgeschenk an meine Kollegin einwerfen. Da die Briefkästen im Treppenhaus waren, klingelte ich und es öffnete mir ihr Mann, recht leicht bekleidet. Im Hintergrund schrie ein/das Kind. „Lass uns gleich mal telefonieren!“, sagte er.

Und so taten wir, zurück in unserer Wohnung.

„Jaaa, das ist ja toll, dass Du auch Vater wirst! Ich kanns nur empfehlen! Zum Glück gibt es ja die Hormone, die alles schnell verblassen lassen….“

Die Kurzform: 4 Wochen vor Termin mit Blutungen im Krankenhaus (vier Wochen lang, davon eine Woche am CTG), Kaiserschnitt (Mann steckte in der Bahn fest-OÄ kommt!), später Nabelbruch (2 Tage KH), dann Infektion desselben (8 Tage KH), Novovirus parallel dazu (erst Kind, dann sie) mit Lungenentzündung (Kind).

Sie: „Erst wollte ich nie wieder ein Kind- nun hätte ich gerne noch eins!“

Ohne Worte, oder? Jedenfalls bin ich mal sehr gespannt auf ihren Sohn.

Eben hörte ich im Radio einen tollen Satz:

„Enkelkinder sind der Nachtisch des Lebens.“ (Schwiegermutter in Spe drückt das so aus: Enkelkinder sind super: Wenn sie schreien oder stinken kann man sie einfach abgeben.)

Also, Elties aufgepasst! Nachtisch ist unterwegs!!

Wir waren gestern im Kino und haben `Burn after Reading´angesehen. Leider kam der Film erst richtig in Fahrt, als er eigentlich schon zuende war. Die vielen Vorschusslorbeeren der Presse kann ich jedoch nur unter dem Hintergrund verstehen, dass wirklich grosse Schauspieler sich selbst ziemlich auf die Schippe nehmen. Besonders Brad Pitt macht eine tolle Figur als vertrottelter, prolliger Fitnesstrainer mit blondierten Haaren: „Fu**, das ist echt scheiss geheime Scheisse!“

Jedenfalls kam in der Vorschau der Trailer zu einem mindestens drittklassigen Films, der im Frühjahrin die Kinos kommt: `Bride Wars´. Toller Titel. Story: Beste Freundinnen wollen in der gleichen Location heiraten- zu unterschiedlichen Terminen. Beiden wird Termin gekündigt und es gibt nur einen Ausweichtermin: Da kommt es zum Zickenkrieg………(Auf Wiedersehen in 1,5 Jahren auf Super RTL!!)

Jedenfalls musste ich an den neulich erwähnten Albtraum bezüglich einer Hochzeit denken: Mir träumte ich stünde am Altar, und Brautvater F.-W. kommt mit der sorgfältig verschleierten Braut. Trauung usw geht ganz normal voran und der Schleier wird gelüftet. Und wer steht da als Sahnebaiser? Nicht meine Freundin, sondern C., ihre Schwester!

Ich wusste nicht, ob ich böse sein sollte, D. zeigte keinerlei Reaktion bei der späteren Feier. Jedenfalls sprach ich dann meinen Schwiegervater an, warum er mir denn nun die Falsche untergejubelt habe. Die Antwort: „D. hat ja schon eine gute Stelle, und als Lehrerin ist sie gut abgesichert. Du hast auch einen soliden Beruf und ein geregeltes Einkommen. Jaaa, und bei C……. Journalismus ist ja etwas brotlos und unsicher, da dachte ich mir ich verschaffe ihr ein Auskommen……“                                 Keine weiteren Fragen.

Jedenfalls wächst das Baby. Ich war beim letzten Artzbesuch leider nicht dabei, weil eigentlich kein Ultraschall anstand. Nach der Untersuchung kam Sie mit hochroten Wangen an, grinste udn sagte: „Wir haben es aufgewekt, und es macht Purzelbäume! Immer so rund und rund!! Das hättest Du sehen sollen!!“ Ja. Hätte ich.

Jedenfalls schlief es noch, als diese Bilder entstanden:

So, ich denke, man kann sich schon was vorstellen....

So, ich denke, man kann sich schon was vorstellen....

Wenn man einen Gebrauchtwagen kaufen will, so hämmert uns der ADAC oder  vergleichbare Organisationen stets ein, ist auf das Vorhandensein des Servicenachweises zu achten. Fehlt dieser, so sei vom Kauf abzusehen, da es möglicherweise dem Fahrzeug an Pflege mangelt. Blendergefahr!!

Hat man das Auto gekauft, sollte man es ummelden, und dafür muss man sich in lange Warteschlangen einreihen, Schilder machen und eine Menge Geld bezahlen. Oder man zahlt noch etwas mehr Geld, und lässt das Ganze von einem Anmeldeservice erledigen. Sehr praktisch. Dienstleistungsgesellschaft.

Sio ähnlich ist es auch, wenn ein Kind erwartet wird: Die werdende Mutter bekommt den Mutterpass- sozusagen ihr Serviceheft. Da werden alle Ölwechsel und Bremsenchecks eingetragen, Kompressionsdiagramme erstellt, kurz: Alles relevante wird schwarz auf weiß niedergelegt.

Nun aber die grosse Frage: Was mache ich nun als werdender Vater ohne Serviceheft? Ist das Kind wegen verborgener Mängel abzulehnen? Oder vielleicht die werdende Mutter? Hat das alles Relevanz für eine Familiengründung? Wo kriege ich das Nummernschild? Wo ziehe ich die Wartemarke?

Lustig aber wahr: Ist man unverheiratet, muss Mann, heiratet Mann dann doch nach längerer Zeit, das eigene Kind -für das er ehrlicherweise bei Geburt die Vaterschaft anerkannt hat- adoptieren! Und dagegen ist ein Auto ummelden ein Kinderspiel, glaubt mir. Und es gibt keinen Adoptionsservice.

Es ist also wie beim Auto: Mutterpass und eine gültige Versicherungsdoppelkarte (Trauschein) machen Kinderkriegen zum Kinderspiel. Kindermachen ist da eine andere Sache.

Also Frau und Kind ummelden (oder anmelden?).

Um ganz sicher zu gehen, dass man als Bürger genügend Zeit zum Nachdenken über mögliche fehlende Unterlagen und die Sinnhaftigkeit seines Tuns hat, und um zusätzlich die Beziehung auf eine Probe zu stellen, richtet der Staat kurze Sprechzeiten zu arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten ein. Mo.-Fr. 8:00-11:30 Uhr, keine Termine, ausser in zwei Jahren.

Also ohne Serviceheft.