Unser Kind ist bisher noch kein offizielles Mitglied der katholischen Kirche, auch wenn es sicherheitshalber von mir als Christ in die christliche Gemeinschaft aufgenommen und mit Namen versehen wurde. Sowas kann man sicher als Nottaufe bezeichnen- ich finde aber, dass unser kleiner Gregor gleich da willkommen geheissen werden könnte wo er herkommt und hingehört und wenns durch Laien ist.
Obgleich das Sakrament der Taufe auch von Laien gespendet werden darf (Laienzauber) wollten wir doch, dass unser Kind auch von einem offiziellen Repräsentanten der fraglichen Organisation aufgenommen wird.
Wir hatten uns gedacht, dass dies ein uns bekannter, netter Pater in einem uns bekannten netten Kloster machen könnte- soweit so gut. Aber Mutter Kirche ist da leider ein bisschen komplizierter:
Wir wurden also in dem fraglichen Kloster vorstellig und fragten uns so durch- bis wir zum Stiffmaster of Church- dem Rector Ecclesiae durchdrangen. Ohne unser Anliegen direkt abschlägig zu bescheiden fragte er uns, ob wir denn schon mit unserem Pfarrer bezüglich der Taufe gesprochen hätten. Hatten wir natürlich nicht- wir wollten ja in Knechtsteden taufen lassen. Also liessen wir uns das Procedere erklären:
Zunächst einmal gehört jede potentiell zu errettende Seele der Pfarrei oder dem Pfarrverband, dem die kirchensteuerzahlenden Eltern angehören (wie das aber mit Seelen nicht kirchenstauerzahlender Eltern und Kinder ist ist unklar). Das wieder eine zu errettende Seele aufgelaufen ist, erfahren die Pfarrämter vom Standesamt des Geburtsortes des Kindes (Jaaaa, wir sind gut verwaltet!).
Die Kerbe, die sich die Pfarrei für die nun errettete (getaufte) kleine Seele ins Holz der Sakristeitür schnitzt (so wie Winnetou für jeden seiner getöteten Feinde eine Silbernagel in seine Büchse schlägt), scheint Gegenstand eines Wettbewerbes zu sein.
Will man die kleine Seele nämlich in einer anderen Pfarrei erretten (taufen) lassen, muss man den Pfarrer der Heimatpfarrei erst fragen, ob er auf o.g. Kerbe in der Tür verzichtet. Bei unbeliebten Pfarrern ist da natürlich die Statistik versaut, wenn alle abhauen, denn irgendwann sind auch schon die Bestände abgebaut (Beerdingug- die Seele kommt an ihren Ursprungsort zurück- oder auch nicht-siehe Fegefeuer) und ruck zuck ist auf dem Seelenkonto ein dickes rotes Minus (Malus).
Und damit man nicht so einfach abhauen kann als kindliche Seele müssen die kirchensteuerpflichtigen Eltern sich einen „Entlaßschein“ (Ehrlich, kein Witz!!) ausstellen lassen, um dann die Seele in einer anderen Pfarrei retten zu lassen.
Da muss man dann die Taufe anmelden und die Paten. Und nun kommt Verwaltungsakt II:
Pate oder Patin sein- als Voraussetzung reicht nicht, dass Du christlich getauft bist- NEIN! Pate, bringe Deinen „Patenbrief“ (Auch hier- kein Witz), der von Deiner jeweiligen Heimatpfarrei ausgestellt wird, so Du denn kirchensteuerpflichtig bist!
Jaa, wir sind gut verwaltet. Mutter Kirche hat doch von den Preußen viel lernen können. Nur dass es kein Bürgeramt mit grosszügigen Öffnungszeiten gibt, sondern nur Pfarrämter, die oft an jedem Montag mit ungeradem Datum nach Vollmond von 16:45 Uhr- 17:15 Uhr geöffnet sind.
Onlineanträge gibts nicht. Da hilft nur Beten!
Und hier noch ein paar Gründe gegen Kinder: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47378-2.html